Gebet - Segnung - Salbung - Abendmahl am Krankenbett

Menschen wollen Glauben nicht nur denken, sondern auch spüren. Viele haben eine große Sehnsucht nach symbolischer und ritueller Vergewisserung ihres Glaubens.

Bewußt gelebte Rituale helfen, die eigene Spiritualiät zu leben und zu vertiefen. So unterstützt zum Beispiel das Handauflegen oder das Salben die gesprochene Zusage des Evangeliums.

Im Krankenhaus handeln wir Seelsorger und Seelsorgerinnen diakonisch-begleitend, wir sind aber auch therapeutisch-zeichenhaft engagiert: Wir sind durch das Wort Jesus (Mt 25,36) zum Krankenbesuch aufgefordert, seine Lehre (Mt 4, 23) zeigt uns, dass Heilen ein integraler Bestandteil seines Wirkens war. Die ersten Christen verstanden sich als eine heilende Gemeinschaft, in der sie ihre Kranken in allen Lebenslagen begleiteten. Deshalb sind uns Jesu Leben und Handeln Vorbilder für unser Angebot von Krankensegnung und Krankensalbung, so wir es heute kennen. Soziale Bezüge leben und zeigen und Vergebung zusprechen helfen in diesem Leben und kann spirituell heilen.

Deshalb möchte das Angebot der Krankensegnung und -salbung dem kranken Menschen von heute die Fürsorge Jesu sinnlich nahe bringen. Das bedeutet auch: Die Krankensegnung ist der Initiative der/des Kranken überlassen und niemand darf zum Objekt der Fürsorge der Gemeinde degradiert werden. Denn die, die segnen und die, die gesegnet werden, stehen immer gemeinsam vor Gott. Wir alle bedürfen Gottes Segen. So kennt Segen kein „Oben“ und „Unten“ und Herrschaft hat hier nichts verloren.

Wenn wir für einen Kranken / eine Kranke beten heißt das nicht, dass das Gebet allein die körperliche Gesundung bewirkt. Vielmehr unterstützt das Gebet unser aller spirituellen Heilung: Beten heisst, sich in die Verheißung Gottes begeben. Die kann uns aufrichten, kann helfen, unsere Krankheit anzunehmen, kann uns die innerliche Stärke verschaffen, die uns zum Leben ermutigt.

Für uns Betende ist es eine Entlastung, die Wirkung des Gebetes Gott zu überlassen zu können. Das ist keine suggestive Praxis, sondern eine Fürsprache derjenigen Menschen, die sich vorbehaltlos von Gott angenommen wissen. In diesem Angenommensein gründet sich die grundlegende Würde menschlichen Lebens, unabhängig von seiner körperlichen Vollkommenheit, Funktionalität oder Nützlichkeit. Diese unbedingten Würde ist weder durch einen Mangel an Produktivität beeinträchtigt noch durch das Gefühl vermindert, dass es keine Freude mehr bereitet.

Die Krankensegnung bleibt von jeder Fixierung auf den äußeren Heilungserfolg frei: Gott befreit den Menschen durch das Evangelium von lebenszerstörenden Lasten und das heisst auch, dass weder die Segnenden noch die Kranken hier unter einem neuen Leistungsdruck stehen.

Wir haben erfahren, dass Krankengebet, -salbung  und -segnung, gemeinsam mit einer Abendmahlsfeier gefeiert, sehr tröstlich sein kann: Denn das Abendmahl lädt uns ein, Gottes Gnade in Jesus Christus zu schmecken und direkt zu spüren, dass Gottes Gnade uneingeschränkt gilt.

Wie wir mit Psalmen klagen dürfen 

Psalmen bieten uns Worte an, mit denen wir beten, klagen, zu Gott rufen können. Uwe Seidel und Diethard Zils haben zu den alten, vertrauten Worten neue Worte gefunden. Wir zitieren aus: Seidel, Uwe / Zils, Diethard, Psalmen der Hoffnung, Gladbeck 1973 Seite 61 eine "Klage eines Kranken":

„Sie befehlen, ich gehorche“

Nach Psalm 38

„HERR, nun liege ich hier, und mein Schicksal bestimmen die Ärzte: „Ich muss ins Bett!
Ich darf aufstehen! Ich darf mich waschen …!“
Sie befehlen – ich gehorche wie ein unmündiges Kind.
Eigeninitiative ist nicht gefragt – ja frevelhalt.
Wenn sie befehlen, müssen die Schwestern springen, auf dass es mir wohlergehe.
Verlass mich nicht, mein HERR, eile mir zur Hilfe unter den Menschen.
HERR, nun liege ich hier in der II. Klasse mit Telefon und besonderer Besuchsregelung,
isoliert von den anderen Klassen.
Die Visite singt im Chor: „Ganz ruhig bleiben. Es wird schon wieder werden …“
Auf meine Fragen geben sie keine Antwort.
Sie flüchten sich in ihre formelhafte Fachsprache.
So werde ich dumm gehalten vom ersten Tag an.
Verlass mich nicht, mein HERR, eile mir zu Hilfe unter den Menschen.
HERR, nun liege ich hier und überdenke mein Leben.
Ich bin wie ein Tauber, der keinen
Ton mehr hören kann.
Wie ein Stummer lebe ich, der seine Lippen nicht mehr auseinander bekommt.
Mein Mund hat keine Antwort mehr bereit.
Die Frage erstirbt mir auf der Zunge.
Kraftlos bin ich und wie zerschlagen, ich schreie um Hilfe.
Wer wird mir wirklich helfen?
Verlass mich nicht, mein HERR, eile mir zu Hilfe unter den Menschen.
HERR, nun liege ich hier und bitte Dich:
Dass nicht die sich freuen, die mich hier in Qualen sehen;
dass nicht die spotten, die gegen mich arbeiten;
dass sie nicht großtun, wenn meine Kräfte am Ende sind.
Wenn ich falle hältst Du mich fest an Deiner Hand.
Verlass mich nicht, HERR, meiner Hoffnung bleibt mir nicht fern, mein GOTT!
Eile mir zu helfen, HERR, mein HEIL unter den Menschen.“
Amen.