"Ethik und Ethos in der Klinischen Krankenhausseelsorge und in der Universitätsmedizin" - Vorlesungsreihe

Im WINTERSEMESTER 2017/18 wird die Reihe "Religionen/Seelsorge/Ethik im AKH" unter dem Titel "Ethik und Ethos in der Klinischen Seelsorge und in der Universitätsmedizin" mit dem Schwerpunktsthema"Sterben und Tod im Krankenhaus - theoretische und praktische ethische Aspekte speziell für Studierende" fortgesetzt - INFO

Unser großer Dank gilt Herrn Univ.-Prof.em. Dr. Georg Simbruner, PhD in Theologie, der seit Beginn dieser Vorlesungsreihe, die große treibende Kraft und ihr Grarant war!
Diese erfolgreiche Vorlesungsreihe ist auf Initiative von Univ.-Prof. Dr. Georg Simbruner, Univ.-Prof. DDr. Johannes Huber und in Zusammenarbeit mit der evangelischen und mit der katholischen Krankenhausseelsorge, unter Federführung von Pfarrerin Dr.in Margit Leuthold, zustande gekommen und wurde seit Februar 2014 durchgeführt.
NACHHÖREN: http://ipokrates.info/christentum-im-akh/ 
Vorträge und Diskussionen und das Hören meditativer Texte werden in unterschiedlichen religiösen Facetten im Alltag eines Allgemeinen Krankenhauses zum Miterleben angeboten und sollen zum offenen Diskurs beitragen
Anrechenbar als freiwillige Lehrveranstaltung / Fortbildung für

  • Ehrenamtliche Krankenhausseelsorger und Krankenhausseelsorgerinnen der Erzdiözese Wien und der Evangelischen Superintendentialgemeinde Wien
  • Studierende der Medizinischen Universität Wien

Ein neues Team  Univ.-Prof. Dr. med. Johannes A. Hainfellner, Leiter (komm.) Klinisches Institut für Neurologie (Obersteiner Institut) Medizinische Universität Wien – Allgemeines Krankenhaus; Rektor P. Mag. Dr. Alberto Marques de Sousa MI, Röm.Kath. Klinische Seelsorge im AKH und Pfr. Mag. Arno Preis, Evang. Klinische Seelsorge im AKH, wurde u. wird die Serie und Ausrichtung der Vorträge/Seminare/Praktika neu konzipiert.
Dazu wurde auch ein wissenschaftlicher Beirat (21 Personen: VertreterInnen aus MedUni Wien, UNi Wien, Pflegediensten, Klin. Psychologischer Dienst, Religionen und Konfessionen {röm. kath., evangelisch, orthodox., altorientalisch/kopt.orth.; jüdisch, islam., buddh.}) gegründet, der sich im April 2017 konstituiert hat und sehr konstruktiv arbeitet.

Daher wurde im Sommersemester 2017 mit den Veranstaltungen pausiert!
Geplant ist in Zukunft: die Vorlesungsreihe/Seminare/ Praktika werden in Zukunft nur in den Wintersemestern durchgeführt, die Sommersemester stehen der Planung, Konzeption und Organisation zur Verfügung! 

 

Herbst 2017, im Anschluss an den Ökumenischen Cosmas und Damian Gottesdienst (29. September 16.00 Uhr zum Wintersemesterbeginn in der r.k. Kapelle im AKH) werden die Vorlesungen bzw. Seminare ab Oktober 2017(vorerst 1X monatlich) beginnen:
Neuer Titel "Ethik und Ethos in der Klinischen Krankenhausseelsorge und in der Universitätsmedizin" - siehe bitte INFO!!
Eine interkulturelle und interreligiöse Vorlesungsseminarreihe mit dem Titel: Ethik und Ethos in der Klinischen Krankenhausseelsorge und in der Universitätsmedizin
Ein erster Themenschwerpunkt im kommenden WS wird sein: „Sterben und Tod im Krankenhaus - theoretische und praktische ethische Aspekte speziell für Studierende“.
Grundstruktur der Vorlesung-Seminareinheiten: 60 min Vortrag; 30 min ad hoc Kommentare im Plenum; 30 min freier Diskurs aller Seminarteilnehmer in Kleingruppen.
Folgen sollen noch in den folgenden Semestern Seminarstrukturen und praktische Übungen.
Diese Vorlesungsseminarreihe soll ein fixer Bestandteil im Curriculum des Medizinstudiums werden!

Wintersemester 2017/2018  ORT immer: Hörsaal 1 AKH Hörsaalzentrum Zeit immer: 16.00 - 18.00 Uhr
Seminareinheit 1 (19.10.2017): Philosophischer und Theologische Ethikkonzepte

  • In dieser Seminareinheit werden philosophische und theologische Ethikkonzepte und deren Begründungen behandelt, „Medizinische Wissenschaft, Religion und Ethik bilden ein spannungsvolles Dreieck.
    In dieser Seminareinheit fragen wir sowohl nach der Eigenart dieser drei Bereiche als auch nach ihrer Beziehung zueinander. Wir gehen dabei in drei Schritten vor:
    In einem ersten Schritt klären wir grundlegende Begriffe der Ethik und stellen in aller Kürze verschiedene Ethik-Typen vor.
    In einem zweiten Schritt wenden wir uns moralischen Konflikten im Bereich der Medizin zu und diskutieren an einem Bespiel die Antworten, die verschiedene  Ansätze geben (kantianische, utilitaristische, katholische und evangelische Ethik).
    In einem dritten Schritt betrachten wir das Verhältnis von Medizin und Ethik genauer, indem wir nach dem Wissenschaftsverständnis, das jeweils hinter Medizin und Ethik steht, fragen, und einen Blick auf die Quellen des Berufsethos von Ärzt*innen werfen.“
    Ao.Univ.-Prof. DDr. Hans Schelkshorn, Vorstand des Instituts für christliche Philosophie der Katholisch-theologischen Fakultät der Universität Wien
    Dr. Maria Katharina Moser MTh, wissenschaftliche Referentin des Instituts für öffentliche Theologie und Ethik der Diakonie

Seminareinheit 2 (23.11.2017): Das Lebensende

  • Prof. Dr. Christine Marosi (Internistische Onkologie):
    "Der Vortrag in dieser Seminarreihe war eine ganz andere Herausforderung als fachliche Vorträge zu meinem Arbeitsschwerpunkt über „bösartige Hirntumore“ oder die Besonderheiten von „Krebs im Alter“; schliesslich ging es darum, aufzuzeigen, wer in Österreich woran stirbt.
    Die Daten der Statistik Austria zeigten dann ein ganz anderes Bild, als der subjektiven Wahrnehmung entsprochen hätte. Sie verdeutlichten aber auch, warum „Tod und Sterben“ aus dem Alltagsbewusstsein verschwunden sind und von vielen als „Versagen der Medizin“ oder „Versagen eines bestimmten Arztes“ wahrgenommen werden. Damit zeigen uns diese Daten auch, wie ein bewussterer Umgang mit der letzten Lebensphase aussehen sollte.“
    Dr. Anke Scharrer (Klinische Pathologie):
    "Nach dem Tod eines Menschen im Krankenhaus entscheidet der Pathologe über die Notwendigkeit einer Obduktion. Diese wird nach einem festgesetzten Schema durchgeführt und entsprechend protokolliert. Ich freue mich, die Möglichkeit zu haben über meine Arbeit, die Komplexität und die Wichtigkeit einer klinischen Obduktion sprechen zu können und hoffe, somit diesem (Tabu-)Thema mehr Transparenz zu geben und vielleicht Ängste nehmen zu können."
    Pfr. Mag. Arno Preis (für das interreligiöse AKH-Seelsorgeteam):
    "In den letzten Jahrzehnten haben sich die Deutungen des Todes in Europa pluralisiert. Es gibt keine gesellschaftlich dominierende religiöse oder philosophische Aussage darüber, was nach dem Tod zu erwarten sei. Und die Deutung des Todes hat sich individualisiert: Sie ist für viele Menschen nicht mehr eingebunden in den Zusammenhang einer Sozial- und Glaubensgemeinschaft, in der gemeinsame Überzeugungen geteilt und auch rituell dargestellt werden, sondern sie muss je individuell angeeignet und plausibilisiert werden. 
Die Trauer- und Bestattungskultur verändert sich in diesem Zusammenhang.
 Mit der religiösen Pluralisierung und Individualisierung haben sich auch im Westen unterschiedlichste Formen verbreitet, die mit unterschiedlichen Ausprägungen aus verschiedenen Kulturen verbunden sind.
    So ist es wichtig, die intensive religiöse Suchbewegung wahrzunehmen, die sich in der Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Vorstellungen im Zusammenhang von Sterbe- und Trauererfahrungen ausdrückt. 
Es gibt viele offene Fragen und Ratlosigkeit im Hinblick auf die Deutung des Todes, die unter den Menschen lebendig sind, es werden vielfältige Antwortmöglichkeiten gesucht und im kulturellen Diskurs angeboten."

Seminareinheit 3 (14.12.2017): Was ist wichtig für Sterbende/Ethikkonsil am Lebensende
Therapiezieländerung, Comfort Terminal Care und Spiritual Care in der Intensivmedizin

  • Prof. PD Dr.med. Eva Schaden EDIC (Intensivmedizin)
    „Die Fortschritte der Medizin sind ungeheuer. Man ist sich seines Todes nicht mehr sicher. (Hermann Kesten, 1900-1996)
    Im Schatten der Errungenschaften der modernen Intensivmedizin hat sich das Krankheitsbild „Chronic Critical Illness“ entwickelt. Dieser Zustand quasi „zwischen Leben und Tod“ stellt nicht nur für die betroffenen PatientInnen, sondern auch für deren Angehörige und – nicht zuletzt - für uns BehandlerInnen eine große Herausforderung dar. Auch und gerade in der Intensivmedizin ist dann eine kritische Abwägung geboten, welche Therapien noch indiziert sind, denn „mehr Therapie“ ist keineswegs immer die richtige Entscheidung für den/die individuelle/-n PatientIn.
    In diesem Vortrag soll anhand eines konkreten Fallbeispiels das Konzept der Therapiezieländerung und der Comfort Terminal Care vorgestellt werden. Denn auch wenn im Sinne der Heilung nichts mehr für einen Patienten/ eine Patientin getan werden kann, gibt es im Sinne der Palliation noch so viel zu tun. Und eben diese Maßnahmen sind eine von Grund auf ärztliche Aufgabe, die nicht  der Palliativmedizin vorbehalten bleiben dürfen, sondern im Anlassfall auch auf einer Intensivstation durchgeführt werden können und sollen.
    Dr.phil. Patrik Heindl DGKP (Intensivpflege)
    Therapiezieländerung auf der Intensivstation ist ein multidisziplinärer Prozess. In diesem Prozess sind nicht nur Ärztinnen/Ärzte und Pflegepersonen involviert, ebenso können Seelsorgerinnen/Seelsorger, Physiotherapeutinnen/ Physiotherapeuten Einfluss nehmen. Die Frage ist: Was braucht man in diesem Entscheidungsprozesse? Information, Wissen, eine gemeinsame Diskussion, einen gemeinsamen Austausch und Entscheidungen.
    Pflegepersonen haben eine wichtige Rolle bei ethischen Entscheidungen am Lebensende.
    Sie überprüfen die Wirkung der Schmerztherapie, sind erste Ansprechpartnerinnen/Ansprechpartner für Patientinnen/Patienten, die den Wunsch nach Therapierückzug/-abbruch äußern und werden von Ärztinnen/Ärzten um ihre Meinung gefragt. Pflegende sind teilweise Ausführende des Therapierückzuges/-abbruches. Ebenso ist die Angehörigenbetreuung ein wesentlicher Teil bei der Therapiezieländerung. Pflege und Betreuung findet trotz Therapiezieländerung weiterhin statt, der Schwerpunkt in der Pflege und Betreuung verändert sich.
    Pfr. Mag. Arno Preis (Klinische Seelsorge)
    An Intensivstationen spielen sich in der menschlichen Grenzsituation einer schweren Erkrankung tiefe seelische und spirituelle Lebensprozesse ab.
    Unsicherheit, Angst, Sorge und Hoffnung sind wohl die primären Gefühle, die Patienten, Angehörige, aber auch das Personal in je eigener Weise bestimmen.
    Hier bündeln sich alle Probleme, denen sich Spiritual Care bzw. Seelsorge stellen muß. Angesichts des nicht abwendbaren Lebensendes stellt sich die grundsätzliche Frage, in welcher Weise ein menschlicher und würdiger Umgang mit dem Sterben möglich ist.
    Damit verbunden stellen sich weitere Fragen wie: Was ist für den jeweiligen Patienten in seiner individuellen, einzigartigen Lebenssituation das Beste? Soll die Behandlung erweitert, begrenzt, oder gar eingestellt werden? Welchen Trost und welche Hoffnung können wir berechtigterweise Patienten und Angehörigen geben? Mit diesen Fragen setzen sich die Klinische Ethik und die daraus entstandenen Ethikkonsile auseinander.
    Eine zielführende Vorgangsweise erfordert jedenfalls ein berufsgruppen- und fächerübergreifendes Zusammenwirken, in der Spiritual Care eine bedeutsame Rolle zukommt.

Seminareinheit 4 (25.1.2018): Ab heute ist alles anders - schwerste bleibende und neurologische Defektzustände nach protrahierter Reanimation, schwerem Schädel-Hirn-Trauma, Subarachnoidalblutung oder Insult

Näheres elektonmisches Vorlesungsverzeichnis in MedCampus bzw. www.meduniwien.ac.at/clins

Ökumenischer Gottesdienst zum Cosmas und Damian Gedenktag Med.UNI Wen:
Anlässlich des Festes für Cosmas und Damian, den beiden Patronen der Medizinischen Fakultät Wien seit 1429, gibt es zum Wintersemesterbeginn einen ökumenischen Gottesdienst mit der Bitte um gedeihliche Entwicklung des MedUni Wien-AKH Wien-Verbunds als gemeinnützige Einrichtung für kranke Menschen, die nach Heilung und Trost suchen.
Cosmas und Damian und deren Bedeutung für die Wiener Medizinische Schule
Cosmas und Damian waren Zwillingsbrüder, die als christliche Ärzte am Übergang vom 3. zum 4. Jahrhundert in der heutigen Türkei und Nordsyrien lebten und wirkten. Die beiden Brüder werden griechisch auch "hoi hagioi anargyroi", genannt, d.h. jene, die ohne Silber, also auch umsonst, behandelten. Aufgrund dieser Haltung wird den beiden als Vorbilder ärztlicher Haltung seit der Antike bis zur Gegenwart in Ost und West die Ehre erwiesen.
In Wien wurden Cosmas und Damian im Jahr 1429 als Patrone der Medizinischen Fakultät gewählt, und es wurde fortan ein jährlicher Gottesdienst zum Gedenktag der Beiden begangen.
Dieses Fest erwies sich als zentrales Identitäts-stiftendes Element der Wiener Medizinischen Fakultät, und existierte bis zur Abschaffung aller universitären Patronatsfeste durch Josef II. im Jahr 1782.
Das Wiener Mediziner-Szepter
Das noch heute bei Sponsionen und Promotionen verwendete Med-Szepter wurde im Jahr 1615 vom damaligen Rektor Sigismund Geissler, Doktor der Philosophie und Medizin, anlässlich der 250-jährigen Bestandsfeier der Universität Wien gestiftet. Den Szepterkopf bildet der Heilige Lukas, Patron der Mediziner, mit seinem Symbol, den geflügelten Stier. Darunter finden sich in Gravuren die Heiligen Cosmas und Damian.
Im Rahmen des Ökumenischen Gottesdienstes wird das Med-Szepter gesegnet, als Zeichen der heilsorientierten Verbundenheit aller MedUni Wien Angehörigen.

Auszug aus dem Promotionsgelöbnis der Ärztinnen und Ärzte:
Spondebitis igitur:
doctrinam, qua nunc polletis,
cum industria vestra culturos tum omnibus incrementis,
quae progrediente tempore haec ars ceperit,
aucturos, usum et facultatem vestram ad salutem et prosperitatem hominum studiose conversuros,
denique cunctis officiis, quae probum medicum decent, ea qua par est humanitate erga quemcumque functuros esse.

Haec vos ex animi vestri sententia spondebitis ac pollicebimini.
Sie werden also geloben:
die Kenntnis, die Sie jetzt beherrschen,
durch eigenen Fleiß zu pflegen und insbesondere durch alle Fortschritte, welche diese Kunst im Laufe der Zeit machen wird, zu erweitern,
Ihre Übung und Ihr Können zum Wohl und Gedeihen der Menschen geflissentlich zu verwenden,
endlich alle Pflichten, die der/dem rechten Ärztin/Arzte obliegen, mit der gleichen Menschlichkeit gegen alle auszuüben.
Dies werden Sie aufrichtig geloben und versprechen.

Auszug aus der Gelöbnisformel der Doktorinnen und Doktoren der Medizinischen Wissenschaften/PhD:
Spondebitis igitur:
studia humanitatis ímpigro labore
culturos et provecturos, non sordidi lucri causa nec ad vanam captandam gloriam,
sed quo magis veritas propagetur et lux eius,
qua salus humani generis continetur, clarius effulgeat.

Haec vos ex animi vestri sententia spondebitis ac pollicebimini.
Sie werden also geloben:
die edlen Wissenschaften unermüdlich zu pflegen und zu fördern,
nicht um schnöden Gewinnes oder eitlen Ruhmes willen,
sondern auf dass die Wahrheit weitergegeben werde und ihr Licht,
worauf das Heil der Menschheit beruht, heller erstrahle.
Dies werden Sie aufrichtig geloben und versprechen.